Presse

Oberndorf a. N.

Die Bachforelle hat’s schwer

Von Jasmin Cools 17.11.2020 – 18:10 Uhr

Für ungeübte Fischbeobachter ist die Bachforelle nur schwer über dem Kiesbett zu erkennen. Sie liebt vor allem eine gute Wasserqualität.

Fotos: Cools/© Witold Krasowski – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Wer sich zu schnell dem Ufer nähert, der wird als ungeübter Fischbeobachter kaum einen Blick erhaschen können. Bachforellen sind scheue Fische und im Neckar, wo sie eigentlich heimisch sind, deutlich rarer als früher. Schuld ist unter anderem die schlechte Wasserqualität.

Oberndorf. Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre hat es der Bachforelle wahrhaftig nicht einfach gemacht. Diese liebt nämlich sauberes, kühles und sauerstoffreiches Wasser. Immerhin: Durch die Bemühungen des Angel- und Naturschutzvereins Oberndorf hat sich die Wasserqualität schon deutlich verbessert.

Dennoch muss man der Population manchmal ein wenig auf die Sprünge helfen, etwa indem man befruchtete Bachforelleneier im so genannten Augenpunktstadium – kurz bevor der Dottersack, eine Art Vorratsspeicher, der den Jungfisch ernährt – in einer Box, die von Wasser durchströmt wird, in den Fluss einsetzt.

“Dadurch denkt die Bachforelle, sie sei dort geboren”, erklärt Gewässerwart Lothar Konrad. Das ist wichtig, da die Bachforelle, wenn sie nach drei Jahren bereit zum Laichen ist, von Oktober bis Januar in ihre Heimat zurückkehrt und sich so der Bestand vor Ort erhöht. Deshalb sei es auch so wichtig, den Bachforellen den Weg durch Fischtreppen und -umgehungsanlagen zu erleichtern.

Die Eier verkeilen sich im Kies

“Das Einsetzen ist aber nur die zweitbeste Art, den Bestand zu sichern”, sagt Konrad. Die erstbeste ist die Naturverlaichung. Er zeigt auf ein helles Kiesbett im Neckar, auf dem sich, wenn man ganz genau hinsieht, ein dunkler Schatten erahnen lässt. Vor der Eiablage schlägt das Forellenweibchen mit dem Schwanz eine Kuhle in die flache Kiesgrube des Bachgrundes und legt dort ihre Eier ab, die dort vom Männchen befruchtet werden. Wichtig sind Zwischenräume, in denen sich die Eier verkeilen und nicht verdriften, wie es etwa der Fall sein kann, wenn zur falschen Zeit ein Hochwasser kommt. Dann werden die Laichgruben ausgeschwemmt.

150 Tage dauert es etwa vom Laichen bis zum Tag, an dem die Larven ohne Dottersack dünn genug sind, um durch die Zwischenräume nach oben zu schwimmen.

Ein Problem kann dabei die Kolmatierung darstellen, erklärt der Gewässerwart. Damit bezeichnet man die Verfestigung der Bachsohle mit Sand und anderen Schwebstoffen, welche die für die Jungfische wichtigen Ritzen im Kiesbett verschließen können. Um schonend zu kontrollieren, wie es um den Bestand steht, kommt immer wieder stichprobenartig E-Befischung zum Einsatz. Konrad hat eine Genehmigung dafür. Weil das aber Stress für die Fische bedeutet, muss ein Einsatz immer vorher beim Regierungspräsidium angemeldet werden, erklärt er.

Der Gewässerwart trägt die Plätze, an denen die Bachforellen laichen, in eine Karte ein. Wie er erfreut feststellen konnte, entstehen häufig da Laichgruben, wo er Jahre zuvor Brutkörbe eingesetzt hat. Das bedeutet, dass das Konzept des Vereins aufgeht.

Generell fehlten im Neckar natürliche Stellen, an denen Äste und Gras ins Wasser hineinragen und Schutz bieten, so Konrad. Viele Teile des Ufers seien aus Hochwasserschutzgründen befestigt. Dadurch besteht für die Fische jedoch auch Gefahr von oben: vom Fischräuber Kormoran.

——————————————————–

Oberndorf a. N.

Riesen-Bärenklau führt zu Verbrennungen

Von Jasmin Cools 10.09.2020 – 06:04 Uhr

Der Riesen-Bärenklau unterscheidet sich kaum vom herkömmlichen. Foto: Cools

Oberndorf – Er sieht aus wie ein harmloser Doldenblütler, verursacht aber schwerste Verbrennungen und schießt an verschiedenen Stellen im Kreis Rottweil so rasant aus dem Boden, dass die Naturschützer kaum mit der Beseitigung nachkommen: der Riesen-Bärenklau. Abhilfe schaffen könnte nun ein Gerät zur Beseitigung. “Als Kind wären die Knollen und das hohle Rohr für mich das ideale Spielzeug gewesen”, meint Lothar Konrad, Gewässerwart des Angel- und Naturschutzvereins (ANV) in Oberndorf. Umso wichtiger ist ihm, vor dem gefährlichen Neophyten zu warnen, zumal dieser immer häufiger am Neckarufer, aber auch auf Wiesen zu finden ist. Zwei seiner Kameraden sind bereits mit der Pflanze in Kontakt gekommen und haben ernste Verletzungen davongetragen.

Staude kommt ursprünglich aus Kasachstan

Im Vergleich zum herkömmlichen und harmlosen Bärenklau habe der Riesen-Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, zackigere Blätter, erklärt Konrad. Des Weiteren wird er zwei bis vier Meter hoch. Die Herkulesstaude kommt ursprünglich aus Kasachstan, wie Lena Moosmann vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) Landkreis Rottweil an diesem Nachmittag berichtet.

Einige Naturschützer aus Oberndorf und Sulz und Vertreter von Naturschutzbehörden haben sich auf einer Weide zwischen Talhausen und Irslingen eingefunden, um sich ein Bild von der Pflanze und dem Unkrautvernichtungsgerät zu machen, das Sebastian Dittebrand von der Reinigungssystem-Firma Kopf aus Berghaupten im Ortenaukreis mitgebracht hat.

Pflanze verteilt sich über Gewässer

“Die Herkulesstaude verdrängt einheimische Arten”, erklärt Lena Moosmann weiter. Der Neophyt vermehre sich dabei nicht über die Wurzeln, sondern über seine große Anzahl von Samen. Bis zu 50.000 schwimmfähige Exemplare können das sein. Noch dazu seien sie bis zu zehn Jahre keimfähig. Die Pflanze verteilt sich über das Gewässer, aber auch über Vögel, den Wind oder Erdbewegungen.

Wenn ein Mensch in Kontakt mit dem Saft des Riesen-Bärenklaus kommt, erfolgt die Reaktion zeitverzögert. In Kombination mit der UV-Strahlung der Sonne entstehe eine phototoxische Reaktion, so Moosmann. Diese äußere sich in Ausschlag mit Blasenbildung auf der Haut, ähnlich wie bei einer Verbrennung.

Bei der Bekämpfung reiche es nicht aus, die Blüte zu entfernen. Die Pflanze sei in der Lage, eine Notblüte zu bilden. Lediglich durch Abstechen der Wurzelknolle könne man dem Problem Herr werden.

“Bärenklau vermehrt sich rasant”

Davon kann Lothar Konrad ein Lied singen. Er ist seit geraumer Zeit immer wieder im Gelände unterwegs und macht dem Unkraut den Garaus, wann immer er darauf stößt. Wenn die Pflanze abgestochen ist, müssen die Reste verbrannt werden, sagt er. Sonst bestünde die Gefahr, dass die Samen in unmittelbarer Umgebung zu neuen Exemplaren werden. “Der Bärenklau vermehrt sich rasant”, sagt Konrad. Wem die Pflanze auffalle, der müsse das den Naturschützern melden.

Um die Plage in den Griff zu bekommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon sind Herbizide, deren Einsatz jedoch rechtlich beschränkt ist. Eine weitere stellt Sebastian Dittebrand den neugierigen Naturschützern vor. Auf der Wiese bei Talhausen kann man den Riesen-Bärenklau zwischen all den anderen Pflanzen kaum erkennen. Er ist in sein em ersten Jahr, bislang nur etwa knöchelhoch. Doch das wird nicht lange so bleiben, wissen die Naturschützer.

Dittebrand startet die Maschine, den “Heatweed”. Dann sticht er eine Lanze in die Knolle des Riesen-Bärenklaus ein. “Er wird mit 99,6 Grad heißem Wasser abgekocht”, erklärt der Vertriebler.

Bei dem Vernichtungsgerät handelt es sich um einen Hochdruckreiniger mit 250 Bar und rund 450 Litern Wasser an Bord. “Wenn das nicht reicht, gibt es noch eine Förderpumpe”, sagt Dittebrand. Mit einem 45 bis 80 Meter langen Schlauch wäre es damit kein Problem, die Strecke vom Neckar zu den Pflanzen zu überbrücken.

30 Sekunden lang kocht Dittebrand die Knolle. Sechs bis acht Liter braucht er dafür. Das Verfahren funktioniere auch beim Japanischen Staudenknöterich, sagt er. Binnen Sekunden ist erkennbar, dass die Pflanze sich unten schwarz färbt und sich auf die Erde legt. “Die Wurzel verrottet im Boden”, erklärt der Experte.

Vier bis fünf Mal im Jahr sollte man das Gerät seiner Empfehlung nach benutzen. Finanziell kein Pappenstiel bei Mietpreisen von bis zu 370 Euro pro Tag. Ein Kauf würde mit bis zu 40 000 Euro zu Buche schlagen. Einige Gemeinden hätten das Gerät bereits angeschafft, berichtet Dittebrand. Damit könne man auch Spielplatzgeräte desinfizieren. Üblich sei, dass eine Kommune es anschaffe und es dann an andere weitervermiete.

Christina Romer, Geschäftsführerin des LEV, bringt das Hauptproblem auf den Punkt. Man brauche detaillierte Informationen über das Vorkommen der Herkulesstaude im Kreis Rottweil, müsse die Orte digital erfassen, um die Arbeitseinsätze zur Ausrottung zu koordinieren.

Die Initiative zur Beschaffung des Geräts müsse aber von den Kommunen ausgehen, die Vereine könnten lediglich Manpower bieten, so Romer. “Das kostet natürlich wieder Geld, und das gibt die Stadt nicht allzu gern aus”, meint ein Mitglied des ANV dazu. Andererseits sei die Gefahr sehr hoch, sich zu verletzen. Ein Risiko, das man nach Meinung von Peter Beiter, Vorsitzender des ANV Oberndorf, nicht eingehen darf. “Jeder Fall ist einer zu viel.”

—————————————————

Fauna des Wassers unter der Lupe

Ferienprogramm Das Fischmobil vom Landesverband legt einen Stopp am Neckarufer ein

Infos und Spiele rund um den Fisch – der Angel- und Naturschutzverein Oberer Neckar hat dieses Jahr wieder das Fischmobil eingeladen. Der mit Fischen und Vögeln bemalte Bus vom Landesfischereiverband hielt direkt am Neckarufer. Und Biologe Simon Birkle hatte einiges zu erzählen.

Oberndorf. Birkle stellte den Kindern zuerst drei Fischarten vor. Den Aal kannten alle bereits. Birkle erklärte, dass dieser Fisch ein bis zwei Tage an Land überleben kann und einen außerordentlich guten Geruchssinn besitzt. Er kann Wasser kilometerweit riechen. Und er ist ein Wanderfisch, der vom Atlantik über die Nordsee und den Rhein in den Neckar findet.

Auch den Hecht erkannten die Kinder sofort an seiner Form und den scharfen Zähnen. Sie waren erstaunt, als Simon Birkle ihnen sagte, wie lang dieser werden könne: 1,50 Meter. So groß war mancher Junge in der Gruppe.

Als dritten Fisch zeigte Birkle eine Bachforelle, einen typischen Neckarfisch. Die Kinder durften die Flossen zählen und erfuhren von der kleinen Fettflosse, deren Funktion noch nicht erforscht sei.

Mit Köchern in den Fluss

In einem anschließenden Spiel klebten die Kinder Namenskärtchen von Fischen, Vögeln und Insekten an das große Bild des Busses. Dieses zeigte alle Tiere, die in und am Wasser kreuchen und fleuchen, darunter ein Eisvogel, verschiedene Käfer, Larven und Fische.

Dann ging es mit Köchern in den Neckar. Kleine Fische, Larven, Würmer und Egel wurden gefangen und in ein Becken mit Wasser gelegt. Dabei gab es so manche Entdeckung. Auch die Egel, die sich saugend und kriechend fortbewegten, sorgten für Faszination.

Später untersuchten die Kinder die Wassertiere unter dem Mikroskop. Dort konnte man etwa die Sandhülle der Köcherfliege sehen. Jedes Korn war sichtbar. Durchsichtige Larven und Eintagsfliegen wurden unter dem Mikroskop erforscht. In einem Forschertagebuch hielten die Kinder ihre interessanten Entdeckungen und Untersuchungen fest.

Alle Kinder waren trotz Corona und Abstandsregeln mit Interesse und Begeisterung bei der Sache.

—————————————————

Oberndorf a. N.

“Fröschle” entschädigen für die Mühe

Von Jasmin Cools 17.08.2020 – 16:45 Uhr

Reinhold Weisser (von links), Peter Beiter, Lothar Konrad und Nadine Frey freuen sich über die gelungene Aktion.

Foto: Cools Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kröten quaken, Libellen summen, die Sonne scheint – wer am Hochmössinger Weiher entlanggeht, der spürt, dass das es ein besonderer Ort ist, an dem man der Natur nah sein kann. Das wäre aber nicht so, wenn einige Engagierte nicht beherzt gehandelt hätten.

Oberndorf-Hochmössingen. “Beinahe wäre alles zu spät gewesen”, weiß Reinhold Weisser. Der engagierte Hochmössinger war der Haupt-Akteur bei der Rettung des Weihers. Doch die Behörden haben ihm das nicht leicht gemacht. Der Stachel der Wut und Enttäuschung sitzt bei ihm noch tief. Denn bei seiner Rettungsmission konnte er nicht auf die Stadt zählen, sagt er. Aber die Aktion, bei der zahlreiche ehrenamtliche Arbeitsstunden angefallen sind, habe auch gezeigt, dass die Bürger von Oberndorf zusammenhalten.

Wie viel am rund 1,3 Hektar großen Hochmössinger Weiher geschafft wurde, wird erst bewusst, wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft. Alles begann 2016 in einem “strengen Winter”. Auf dem bis zu 60 Zentimeter dicken Eis hatten Fahrzeuge verbotenerweise ihre Runden gedreht und damit die Fische in ihrer Winterruhe gestört.

Durch die dicke Eisschicht und die Menge an Faulschlamm, die sich damals noch im Weiher befand, war der Sauerstoffgehalt im Wasser stark vermindert. Die Fische erstickten scharenweise.

Der Schlamm hatte sich über 45 Jahre angesammelt. Als erste Maßnahme wurden Pappeln und Sträucher am Uferrand entfernt, um den Eintrag in den Weiher zu reduzieren. Doch schnell wurde klar: Das ist nicht genug.

Steine in den Weg gelegt

2019 holte Weisser alle Ämter an einen Tisch und schmiedete einen Plan. Der Schlamm sollte abgepumpt werden. Die Stadt Oberndorf habe dann sofort deutlich gemacht, dass auf sie nicht zu zählen sei, erinnert sich Weisser. Als Liegenschaftseigentümer habe sie sich weder finanziell, noch mit Manpower an dem Vorhaben beteiligen wollen. “Mir wurde damals gesagt, die Stadt habe für so etwas kein Geld. Der Weiher soll verlanden”, sagt Weisser.

Bürgermeister Hermann Acker weist in diesem Zusammenhang auf eine Aktennotiz der Stadtverwaltung aus den Jahren 1997 und 1998 hin, nach der festgelegt wurde, dass der Weiher der Natur überlassen werden soll. Somit seien keine Unterhaltungsmaßnahmen mehr durchgeführt worden. “Diese Notiz stammt von unseren Vorgängern”, macht Acker klar.

Kosten in Höhe getrieben

Die Naturschützer bleiben bei ihrem Vorwurf, die Stadt habe ihnen sogar noch Steine in den Weg gelegt. Eine Beprobung des Sediments wurde angeordnet. “Da kamen dann Werte jenseits von Gut und Böse heraus. Das hat die Kosten in die Höhe getrieben.” Die Folge: Statt rund 20 000 Euro stiegen die Kosten auf 50 000 Euro, weil der Schlamm als Sondermüll eingestuft wurde und auf eine Z2-Deponie musste.

Damit war die Entschlammung erst einmal vom Tisch. “Die Bürokratie stand dem Projekt im Weg. Ohne die Spende eines Hochmössingers wäre das wohl nie was geworden”, mutmaßt Weisser. 30 000 Euro gab es auf einen Schlag. Hinzu kamen weitere 17 000 Euro durch Spenden von Bürgern, so dass der Plan im Oktober 2019 in die Tat umgesetzt werden konnte.

Die Aistaiger Feuerwehr und der Angelverein Oberndorf hatten den Schlamm abgepumpt. Gerettet und in andere Gewässer umgesiedelt wurden rund 400 Kilogramm Teichmuscheln, 15 Krebse, 4000 Rotaugen und zahlreiche Hechte sowie Schleien und Karpfen. Beim Sammeln half nicht nur der Angelverein, sondern auch die Bürgerschaft. “Zum Glück gab es Leute, die das alles in die Hand genommen haben. Die Stadt hat alles eindeutig blockiert”, sagt auch Angelvereinsvorsitzender Peter Beiter.

Im Weiher waren aber nicht nur hilfebedürftige Tiere zu finden, sondern auch allerlei, was nicht hineingehört, darunter eine Schreibmaschine, ein Munitionskoffer und ein Moped, das letztlich sogar noch verkauft werden konnte.

Im November wurde der Weiher dann endlich ausgebaggert. Lastwagen transportierten bis zu 18 Tonnen Material ab, rund 400 Kubikmeter Schlamm. Beim Ausbaggern war Schlamm über den Grundablauf in den Wald bis zur Versickerungsstelle gespült worden. Dank des Einsatzes einer rüstigen Rentnergruppe wurde dem Problem mit Schaufeln und Eimern zu Leibe gerückt.

Genehmigung verzögert

Um den Weiher nun wieder mit Wasser befüllen zu können, brauchte es eine wasserrechtliche Genehmigung. Für diese war jedoch die Umsetzung der neuen Hochwasserschutzmaßnahmen nötig. “Das spielte uns in die Karten”, so Weisser. Zu diesen zählte die Errichtung eines so genannten Mönchs, mit dem man den Wasserstand regulieren kann, und ein offener Überlauf.

Für die Maßnahmen musste die Stadt ein Planungsbüro beauftragen. Das Befüllen des Weihers verzögerte sich weiter. “Wir wurden immer wieder ausgebremst”, meint Weisser. “Ich musste den Herrschaften mehrmals auf die Füße treten”, sagt der engagierte Hochmössinger. Auch einer Teil-Baugenehmigung für den Mönch, von der es erst geheißen hatte, sie sei gar nicht möglich, habe man “hinterherrennen” müssen.

Schließlich hatte sich herausgestellt, dass auch das Landratsamt bei der Stadt Druck für eine Genehmigung gemacht hatte. “Es lag also eindeutig an der Stadtverwaltung”, so Weisser. Da fühle man sich schon veräppelt, zumal es ein emotionales Thema sei. “Von Anfang an wurde dagegengeschafft.”

80 Prozent der Fische tot

Bis dahin waren bereits 80 Prozent des ursprünglichen Fischbestandes tot. Die, die man retten konnte, sollten wieder zeitnah in den Weiher eingesetzt werden. “Das war Spitz auf Knopf”, weiß Lothar Konrad, der Gewässerwart des Angelvereins.

Bürgermeister Hermann Acker sieht den Sachverhalt vollkommen anders. “Ich weiß nicht, was diese ständige unsachliche Hetze und üble Nachrede einzelner Personen gegen unsere Mitarbeiter soll. Wir haben weder gegen etwas gearbeitet, noch verzögert”, betont er. Im Übrigen habe man das ehrenamtliche Engagement der Betroffenen sogar beim Ehrenamtstag als beispielhaftes bürgerschaftliches Projekt ausgezeichnet, so Acker.

Ortsvorsteherin Sabine Jaud meint, dass der frühere Aktenvermerk zum Weiher unterschiedlich interpretiert wurde. “Als die private Initiative mit ehrenamtlichen Helfern und Spenden aus der Bürgerschaft begann, war die Stadt nicht mehr dagegen”, sagt sie. “Dort wurde das Vorhaben akzeptiert, da zunächst keine Kosten für die Stadt entstanden. Erst als klar wurde, dass durch Auflagen des Landratsamtes das Aufstellen eines Mönches und die Anpassung des Überlaufs für den Fall eines 100-jährigen Starkregens notwendig sind, war klar, dass dies nicht alleine durch Spenden mehr abgedeckt werden konnte. Der Schutz gegen den Starkregen hätte auch ohne die Maßnahme am Weiher irgendwann in Angriff genommen werden müssen – nur wahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt”, erklärt Jaud.

Dass sich das Vorhaben so in die Länge zog, führt sie auf eine Auslastung der beauftragten Büros zurück. Die endgültige Planung des Überlaufs für den Starkregen liege immer noch nicht vor.

Erst im Mai konnte der Mönch errichtet werden. Dank der Staubretter stieg der Wasserstand wieder. Trotzdem musste mit Unterstützung der Feuerwehr ein wenig nachgeholfen werden.

Ende Mai konnten die Tiere in ihren Lebensraum zurückkehren. “Was wäre denn Hochmössingen ohne den Weiher und seine ›Grotta‹?”, fragt Nadine Frey, eine weitere sehr engagierte Helferin.

Der Weiher sei ein Kulturgut, betont Beiter. Schon im 16. Jahrhundert sollen Landwirte ihre Tiere dort getränkt haben. Tausende Arbeitsstunden haben Bürger investiert, um ihn zu retten. “Die Leute kamen von überall her”, sagt Weisser dankbar. Nun sind gut zwei Drittel der ursprünglichen Wassertiefe erreicht. “Die kleinen Fröschle zu sehen, entschädigt für die ganze Arbeit”, findet Peter Beiter.

Doch bei aller Erleichterung bleibt ein Wermutstropfen: Hätte man schneller gehandelt, wäre der Tod vieler Lebewesen wohl vermeidbar gewesen.

—————————————————

Oberndorf a. N.

Was drin ist, soll auch draufstehen

Von Jasmin Cools 07.07.2020 – 16:36 Uhr

Peter Beiter (links) und Lothar Konrad sehen sich selbst und die Vereinsmitglieder nicht nur als Angler, sondern auch als Naturschützer. An dieser Stelle am Neckar haben sie Weiden neu gesteckt, damit sie für Fische und Insekten als Sonnenschutz dienen können.

Foto: Cools Foto: Schwarzwälder Bote

Mit einem Kasten Bier am Fluss sitzen und warten, bis ein Fisch anbeißt – so war es bei den Anglern früher vielleicht einmal. Mittlerweile machen die Engagierten des ehemaligen Sportanglervereins Oberndorf so viel mehr. Deshalb musste dringend eine Namensänderung her.

Oberndorf. Am 19. Mai wurde aus dem Sportanglerverein Oberndorf der Angel- und Naturschutzverein Oberer Neckar. “Der alte Name ist einfach nicht mehr zeitgemäß”, erklärt der Vorsitzende Peter Beiter. “Wir sind inzwischen viel mehr als ›nur‹ Angler, wir sind Naturschützer”, ergänzt sein Stellvertreter und Gewässerwart Lothar Konrad.

Man dürfe das nicht falsch verstehen. Angeln sei eine Passion, selbst einen Fisch zu fangen und diesen zu verspeisen, ein ganz besonderes Gefühl, sagt Konrad schwärmerisch. Aber der Begriff Sportangler beschreibe die Vereinsaktivitäten nicht mehr richtig. Das Angeln mache mittlerweile weniger als ein Drittel der Aufgaben aus. “Sportangler” passe lediglich zur so genannten Castinggruppe des Vereins. Bei dieser geht es um das Ziel- beziehungsweise Weitwerfen von Ködern. Für den Umgang mit den Kreaturen, die man fange, um sie zu verzehren, sei “Sport” jedoch der falsche Ausdruck.

Biber macht Probleme

Der Vereinssitz bleibt in Oberndorf, jedoch müsse man über die Grenzen des Stadtgebiets hinausdenken, findet Beiter. Die Zeit der Vereinsmeierei im Kleinen sei vorbei. Man müsse in die Zukunft schauen.

Die Oberndorfer Angler betreuen auch Gewässer von Talhausen bis Aistaig sowie in Sulz und Dornhan, in denen vor allem Forellen und Äschen leben. Und da gibt es einiges zu tun.

Zu den größten Aufgaben zählen die Naturverlaichung und der Gewässerschutz. “Wir stellen sicher, dass bei Hochwasserschutzmaßnahmen so wenig wie möglich kaputt gemacht wird”, sagt Konrad.

Der Hochwasserschutz ist auch der Grund, warum der Verein kein stationäres Heim am Neckar haben darf, sondern auf einen Bauwagen zurückgreifen muss. Deshalb suchen die Angler ein Gebäude in der Umgebung zur Pacht oder zum Kauf.

Um die Beschattung der Gewässer zu verbessern und so die Fische zu schützen, steckt der Verein immer wieder abgebrochene Äste von Weiden neu, so dass frische Triebe entstehen können. “Die heimischen Insekten und Fische sind auf Kälte gepolt. Wenn es zu warm wird, sterben sie ab”, erklärt Peter Beiter.

Doch an Bäumen entlang des Ufers fehlt es nicht nur wegen menschengemachter Veränderungen, wie Baumaßnahmen, sondern auch aufgrund des Eschensterbens, von denen es viele Exemplare am Neckar gab.

Probleme mache auch immer wieder “unser besonderer Freund mit dem breiten Schwanz”, der Biber. Mittlerweile haben die Angler sogar die Bäume, die einige Meter entfernt vom Flussufer auf dem Vereinsgelände stehen, mit Draht gegen die Nager geschützt.

Wegen dieser Problematik sei man auch regelmäßig mit der Biberbeauftragten des Landkreises in Kontakt, sagt Lothar Konrad. Wenn man die Bäume mit Schutzmittel anstreiche, so habe man zumindest für eine gewisse Zeit Ruhe vor den Tieren.

Gleichgewicht herstellen

Erfreulich ist, dass die “Besatzpolitik” des Angel- und Naturschutzvereins Erfolge zeigt. Früher habe man fangreife Fische ins Wasser gesetzt, heute werden die Gewässer mit befruchteten Forelleneiern oder Brut besetzt, um für eine ausgewogene Fischpopulation zu sorgen. Denn Forelle und Äsche finden nur noch selten geeignete Laichmöglichkeiten.

Eine weitere Aufgabe des Vereins ist, Barrieren für die Fische zu entfernen. Diese sollten aus Gründen der Genetik möglichst da aufwachsen, wo sie ausgebrütet wurden.

In Talhausen werde nun ein Fischpass gebaut – “die zweitbeste Lösung”, meint Konrad. Die beste sei, wenn es überhaupt kein Wehr gäbe.

Stark involviert waren die Angler und Naturschützer, nachdem es in Hochmössingen zu einem großen Fischsterben gekommen war. Die Ursache war Faulschlamm, der mehr als 40 Jahre lang nicht mehr ausgebaggert worden war.

Die Engagierten des Vereins hatten die Fische gerettet und in andere Gewässer gesetzt, bis sie wieder in ihr “Heimgewässer” zurückkehren konnten. Allein dafür waren um die 300 Arbeitsstunden angefallen. Es zeigt, wie rührig der Verein ist.

Im Bereich der Flora machen zahlreiche Neophyten, “Pflanzen mit Migrationshintergrund sozusagen”, den Anglern Probleme, erklärt Konrad. Besonders gefährlich: der Riesenbärenklau, dessen Saft bei Menschen zeitlich verzögert zum Kontakt Verbrennungen dritten Grades hervorrufen kann. Die Angler arbeiten an der Beseitigung, doch jedes Exemplar kann bis zu viermal nachwachsen.

Im Großen und Ganzen versuchen die Angler, das in Ordnung zu bringen, was durch äußere Einflüsse zur Gefahr für die Flora und Fauna der Gewässer wird. Sie wollen das Gleichgewicht in der Natur wieder herstellen.

Eben dieser Bewusstseinswandel, der ja auch in der Bevölkerung spürbar sei, sollte sich auch im neuen Namen widerspiegeln, erklärt Beiter. Dieser war bei der Hauptversammlung Ende März mit einer Dreiviertel-Mehrheit von den Vereinsmitgliedern abgesegnet worden.

“Wir wollen einfach dafür sorgen, dass auch unsere Enkel noch etwas von der schönen Natur haben”, sagt Beiter. Und das wird nun auch durch den Namen klar.

—————————————————

Oberndorf a.N.

Name ist nicht mehr zeitgemäß

Von Hans-Dieter Wagner 24.03.2020 – 16:23 Uhr

Die Bachforellen-Brut in einer modifizierten Ulmer Box wurde Ende Februar von den Oberndorfer Anglern in den Neckar und die Seitenbäche gebracht. Foto: Sportangler Foto: Schwarzwälder Bote

Noch vor dem Versammlungsverbot trafen sich die Oberndorfer Sportangler zu ihrer Hauptversammlung im Turnerheim. Die Verantwortlichen hatten Vorkehrungen für die Sicherheit getroffen, und so eröffnete der Vorsitzende Peter Beiter trotzdem eine recht gut besuchte Sitzung.

Oberndorf. In seinem Jahresbericht ging Beiter auf zahlreiche Aktivitäten des Vereins ein und berichtete über ein Vereinsjahr, das Anfang Januar mit der Abgabe der Fanglisten für 2018 begonnen hatte. Zu dieser Veranstaltung waren zahlreiche Teilnehmer gekommen, zumal man auch den Veranstaltungskalender vorstellte und die Neugestaltung der Fanglisten vorstellte.

Ebenfalls im Januar konnte man eine modifizierte Ulmer Box für die Erbrütung von Bachforellen in der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen abholen. Lothar Konrad und Dietmar Bischler bestückten diese mit Bachforelleneiern. Die Brut wurde Ende Februar in den Neckar und die Seitenbäche gebracht.

Einer Ausbaggerung des Sees in Sulz-Strüttwiesen wurde vom Umweltschutzamt in Rottweil zugestimmt, allerdings konnte die Aktion wegen der bisher fehlenden anhaltenden Frostperiode noch nicht durchgeführt werden.

Der Kalender “Wilde Welten” vom Landesfischereiverband wurde an der Grundschule Aistaig und der Ivo-Frueth-Schule vorgestellt.

2380 Stunden für Verein, Natur und Umwelt

Eine organisierte Vergrämungsaktion auf Kormorane wurde zusammen mit den Jägern auf der Strecke zwischen Fischingen und Rottweil durchgeführt. Nachdem man die Angelsaison am 10. März eröffnet hatte, wurde am 23. März der Tag des Gewässers veranstaltet und dabei das Neckarufer von Aistaig bis Talhausen vom Unrat befreit. Der Fischverkauf am Gründonnerstag war wieder ein Erfolg, und man konnte über 1000 frische und gerauchte Forellen verkaufen.

Zusammen mit Vertretern des Landwirtschaftsamtes und des Gewässerschutzes traf man sich am Türnenbach in Fürnsal. Dort wurden durch die Rinderhalter verursachte Missstände besprochen. Mit den Schülern verschiedener Grundschulen erkundete man im vergangenen Jahr den Neckar in Aistaig.

Bei wieder einmal herrlichem Wetter konnte man viele Besucher beim Fischerfest in Altoberndorf bewirten und unterhalten. Auch der Ausflug nach Binzwangen zur Donausanierung kann als Erfolg verbucht werden.

Zudem sprach der Vorsitzende die Arbeiten am Hochmössinger Weiher an. Hier hatten die Mitglieder unter teils schwierigen Bedingungen mehr als 250 Arbeitsstunden geleistet. Eine überaus gelungene Veranstaltung fand im Dezember im Aistaiger Schützenhaus statt. Für ein Praxisseminar “Naturverlaichung der Bachforelle” hatte man dafür hochkarätige Referenten gewinnen können.

Peter Beiter verwies zum Schluss seines Berichts auf 2380 Stunden, die von den Mitgliedern für den Verein, die Natur und die Umwelt geleistet wurden.

Kormoran-Bestand ist besorgniserregend

Kassierer Mark Geigges erfuhr an diesem Nachmittag eine besondere Ehrung. Für seine mehr als 20-jährige Tätigkeit überreichte ihm der Vorsitzende die goldene Ehrennadel des Landesfischereiverbandes. Auch bei dieser Versammlung bewies er eine vorbildliche Kassenführung und erhielt dafür höchstes Lob der Kassenprüfer Arnold Schmalz und Markus Graf.

Gewässerwart Lothar Konrad zeigte in seinem Bericht auf, dass die bisherige Besatzpolitik Früchte getragen hat. Dies wurde durch eine Elektrobefischung sowie gestiegene Fangzahlen belegt. Besorgniserregend sei lediglich der zunehmende Bestand an Kormoranen.

Daniela Ley, die kommissarisch die Geschäfte von Jugendleiter Metin Aykutoglu übernommen hatte, berichtete über einen gut funktionierenden Jugendbereich. Ehrenmitglied Ewald Schlagbauer führte die Entlastung durch, bevor fünf Gastangler als Vollmitglieder aufgenommen und drei neue Gastangler vorgestellt wurden.

Während eine anstehende Satzungsänderung bezüglich des Datenschutzes und wichtiger Aktualisierungen einstimmig abgesegnet wurde, führte die Satzungsänderung zur Änderung des Vereinsnamens zu einer kontroversen Diskussion. Der Vorsitzende war der Ansicht, dass der Begriff Sport und das Fangen und Töten von Fischen nicht mehr zeitgemäß sei. Aus diesem Grund wurde als neuer Vereinsnamen “Angel- und Naturschutzverein Oberer Neckar mit Sitz in Oberndorf am Neckar” vorgeschlagen, der von der Versammlung letztendlich auch mit großer Mehrheit beschlossen wurde.

Bei den Wahlen wurde Daniela Ley für den ausscheidenden Metin Aykutoglu zur Jugendleiterin gewählt.

Mit einem Ausblick auf das kommende Jahr und einem “Petri Heil” schloss Peter Beiter die Versammlung.

—————————————————

Neckarblick – Vereinsporträt